Raphael Tigges besucht Pflegeverein "Daheim e. V."

Personalmangel und Bürokratie bereiten Sorgen

Landtagsabgeordneter Raphael Tigges (3.v.l.) mit (v.l.) Burkhard Kankowski, Susann Klingert, André Korbach, Marlene Kuhlmann und Oliver Lömker vom
Landtagsabgeordneter Raphael Tigges (3.v.l.) mit (v.l.) Burkhard Kankowski, Susann Klingert, André Korbach, Marlene Kuhlmann und Oliver Lömker vom "Daheim e.V."-Leitungsteam sowie Rainer Bergmann, engagierter Angehöriger
Er existiert seit bald 30 Jahren, arbeitet kreisweit, versorgt im Jahr rund 1.000 Menschen und hat inzwischen 650 Mitarbeiter: Der 1989 gegründete Pflegedienst für ältere und psychisch behinderte Menschen "Daheim e.V.". Jetzt hat der Landtagsabgeordnete Raphael Tigges die kreisweit tätige Einrichtung in ihrer Zentrale an der Dammstraße in Gütersloh besucht und mit der Geschäftsleitung über aktuelle Themen der Pflegebranche gesprochen.

"Ziel unseres Vereins ist, dass pflegebedürftige ältere Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben können", erklärte Geschäftsleiterin Susann Klingert. "Dafür bieten wir ihnen und ihren Angehörigen verschiedene individuelle Pflegelösungen an: Tages- und Kurzzeitpflege, ambulante Hausgemeinschaften und Wohnbetreuung, betreutes Seniorenwohnen und den ambulanten Pflegedienst."

Sorgen bereitet dem Verein, der zwei weitere Hauptsitze in Rheda-Wiedenbrück und Halle unterhält, aktuell der Personalmangel, vor allem in der ambulanten Pflege. "Früher kamen viele unserer Mitarbeiter durch den Zivildienst in den Kontakt mit Pflegeberufen", so Klingert. Seit dem Ende der Wehrpflicht und des Zivildienstes würden diese Berührungspunkte jedoch wegfallen, mit einschneidenden Folgen. "Neben Überlegungen zu einer Wiedereinführung der Dienstpflicht geht es vor allem darum, den Pflegeberuf attraktiv zu gestalten und bessere Anreize zu schaffen", sagte Tigges. Um den Bedarf zu decken bleibe derzeit nur die gezielte Werbung von ausgebildetem Personal im Ausland. Hier müsse dafür gesorgt werden, dass gute Mitarbeiter eine Bleibeperspektive haben und eine stärkere Förderung der fachsprachlichen Kompetenz stattfindet. "Angesichts der Schwierigkeiten ist es umso höher zu bewerten, dass es dem Verein Daheim e.V. und den anderen Anbietern gelungen ist, im Kreis Gütersloh die höchste Dichte an Tagespflegeplätzen deutschlandweit einzurichten", so Tigges.

Weitere Wünsche des Vereins an die Politik richten sich auf eine deutliche Vereinfachung der Verwaltungsvorgänge. Vorschriften und Dokumentationspflichten würden trotz anders lautender Versprechen immer mehr zunehmen und raubten dem Personal die Zeit, sich um die Menschen zu kümmern. Auch die Zusammenarbeit mit der Bürokratie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ist aus Sicht von Daheim e.V. verbesserungsfähig. "Schließlich sollte eine Abkehr vom Bau großer Altenpflegeeinrichtungen stattfinden, wie er im Kreis Gütersloh noch praktiziert wird", so Klingert. "Diese Einrichtungen sind nicht mehr zeitgemäß und stehen zum Teil halb leer. Die Zukunft gehört den kleinen Häusern."

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