„Positive Stimmung ist jetzt das Wichtigste“

Raphael Tigges besucht Gütersloher Einzelhändler

Wie geht es dem Gütersloher Einzelhandel nach den Corona-bedingten Schließungen und der Wiedereröffnung der Geschäfte? Davon hat sich der Landtagsabgeordnete Raphael Tigges jetzt ein Bild bei einem Rundgang durch die Innenstadt gemacht. Tigges besuchte dabei das Modehaus Finke, das Fotogeschäft Schorcht und die Musikgalerie am Dreiecksplatz.

Bei Finke in der Königstraße ist es nach der Wiedereröffnung noch verhältnismäßig ruhig. Textilien seien wegen der vielen abgesagten Anlässe noch nicht wieder so gefragt, meint Inhaber Markus Finke. Besser hingegen läuft es im Sporthaus am Kolbeplatz. „Nach dem Shutdown haben vor allem die Finanzen im Mittelpunkt gestanden. Unser wichtigstes Ziel war es, die Liquidität zur Zahlung der Löhne unserer Mitarbeiter zu sichern und jeden Arbeitsplatz zu retten“, so Finke. Auch wenn die Corona-Krise schon jetzt einen siebenstelligen Schaden verursacht hat, wird in dem Modehaus nach vorne geschaut. Das gleiche erwartet Finke von der Politik. Es sei wichtig, eine positive Stimmung zu erzeugen und die Menschen zum Konsumieren anzuregen, um die Krise zu überwinden.“

Finke kritisiert in diesem Zusammenhang den Onlinehandel im Stil von Amazon. „Man kann auch intelligent vor Ort online einkaufen“, sagt Finke. Nach dem Motto: „Buy online - buy lokal“. Der Politik attestiert Finke, in der Krise einen guten Job gemacht zu haben. Man könne im europäischen Vergleich derzeit froh sein, in Deutschland zu leben. „Es freut mich zu hören, dass auch die Soforthilfe vom Land problemlos geklappt hat, von der beide Gütersloher Häuser des Textilunternehmens profitiert haben“, sagt Tigges. Als weitere Maßnahmen der Politik kann sich Finke ein Konjunkturprogramm vorstellen. Vor Ort könnten auch verkaufsoffene Sonntage helfen, den Umsatz aufzuholen.

Auch beim Fotogeschäft Schorcht hat es mit der Soforthilfe des Landes gut geklappt und Kurzarbeit sei schon jetzt nicht mehr notwendig, berichtet Unternehmerin Catharina Schorcht. Wichtig sei ihr während des Lockdowns gewesen, die guten und qualifizierten Mitarbeiter halten zu können. Allerdings gibt es zurzeit auch hier noch weniger Kunden als sonst, die außerdem weniger investieren, da Urlaube und Familienfeiern, die Fotoequipment erfordern, derzeit wegfallen. „Es besteht die Gefahr, dass sich die Leute während der Krise noch stärker an den Onlinehandel gewöhnen“, sagt Schorcht. Verkaufsoffene Sonntag könnten in manchen Branchen helfen, sie sieht für ihr eigenes Geschäft dadurch jedoch eher einen geringen Effekt. Von Tigges nach ihren Erwartungen an die Politik gefragt, nennt Schorcht sehr konkrete Wünsche: Passbildautomaten sollten in den Rathäusern keine Pflicht werden und es sollte zu keinem weiteren Wegfall von Parkplätzen in der Stadt kommen.

Michael Tucker, Inhaber der Musikgalerie am Dreiecksplatz, lebt in dreifacher Hinsicht von der Kunst: als Musiker, vom Musikunterricht und als Einzelhändler für Instrumente und Musikzubehör. Auch wenn die ersten Wochen der Schließung schwer waren, hat er als positiv denkender Mensch und Optimist die Corona-Krise als Chance genutzt, sein Geschäft neu zu strukturieren. „Beeindruckend war die Solidarität vieler Kunden, die auch in der geschlossenen Zeit bei mir bestellt haben, um den Laden zu unterstützen“, so Tucker. Auch wenn in Deutschland die Bürokratie sehr ausgeprägt ist, ist Tucker, der bislang nur den englischen Pass hat, vom umsichtigen Umgang der deutschen Politik mit der Krise so beeindruckt, dass er nicht nur vor dem Hintergrund des drohenden Brexits, nun die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen will.

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